6 Fragen der OZ und 6 Antworten |
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1. Welche Schwerpunkte sehen Sie in der Arbeit der/des Bürgermeisters/in in den kommenden Jahren? Was liegt Ihnen warum besonders am Herzen?
Unsere Stadt muss für die Zukunft gestaltet werden: Bewohner, Besucher und Unternehmer fordern zu Recht, dass die Stadt attraktiv(er), wirtschaftlich erfolgreicher, sauberer und sicherer werden soll. Nach Verlust des Kreisstadtstatus muss sich Bad Doberan neu orientieren. Dazu gehört Bürgerbeteiligung und Transparenz von Anfang an - nicht erst kurz vor Wahlterminen. Die Einbindung Doberans in überregionale Netzwerke des Tourismus und der Kultur sind dringend nötig. Gestalten statt nur verwalten.
2. Die Verschuldung der Stadt ist im Vergleich zu anderen Städten hoch, der Haushalt angespannt. Wie groß ist der Spielraum kommunaler Selbstverwaltung heute? Welche Akzente kann die erste Frau, der erste Mann im Rathaus dabei setzen?
Wirtschaftliches Wachstum ist der Motor der Stadtentwicklung. Das entsteht aus verbesserten Dienstleistungen und aus einem starken Mittelstand heraus. Auch eine Stadt kann nur ausgeben, was vorher verdient wurde. Das ist richtig so. Zukunftsweisende Entscheidungen, die Geld kosten, werden aber immer öfter aus Hilflosigkeit geblockt. Gleichzeitig wird den Bürgern ständig in die Tasche gegriffen (Parkgebühren), ohne dass daraus sich daraus etwas Erkennbares entwickelt. Das passt nicht zusammen.
3. Jugendliche beklagen zu wenige Angebote in der Stadt. Oft zu hören ist die Frage nach einem Schwimmbad, dem Kino droht das Aus. Ihre Meinung?
Die Jugendlichen haben Recht. Für ihre Altersgruppe gibt es Angebote in Vereinen und Interessengruppen. Aber es mangelt an spezifischen Angeboten, die wenig kosten und attraktiv sind (Bolzplatz etc.). Es fehlt offenbar auch der Wille, die Jugendlichen in die Gemeinschaft einzubinden, ihnen Wertschätzung zu zeigen und sie teilnehmen zu lassen. Aber das gilt ähnlich gegenüber Familien mit kleinen Kindern und gegenüber Senioren. Das Potential der Stadt ist groß. Wir können es phantasievoll nutzen.
4. Ein wichtiges Thema für Einwohner der Stadt ist die Entwicklung Heiligendamms, vor allem der Grad der Öffentlichkeit.
Heiligendamm ist für mich mehr als der Besitz der ECH. Dort wohnen Doberaner, dort liegt der Strand der Doberaner. Jeder weiß, was da noch zu verbessern ist. Ich empfinde, dass das Thema die Stadt spaltet, Streit schafft, von Chancen und Problemen ablenkt. Es erschwert die zielgerichtete Arbeit in der Stadtvertretung und im Rathaus. Deshalb muss der Zoff um Heiligendamm aufhören. Als Einwohner der Stadt liegt mir das am Herzen. Als Bürgermeister ist das für mich eine Hauptaufgabe.
Hat die Stadt hier Fehler gemacht? Wenn ja, wie ließen sie sich korrigieren?
Das war gestern und hat viel mit Gutgläubigkeit und fehlender Erfahrung bei Stadt, Kreis und Land zu tun. Ein charismatischer Unternehmer wurde damals für seine Visionen bewundert. Manche Politiker hofften, etwas von dem Erfolg abzubekommen. Das dauernde Hick-Hack um Heiligendamm hilft der Stadt und der Region nicht weiter. Erfolgversprechende Ansatzpunkte für Korrekturen werde ich verfolgen, z.B. die fragwürdige Umwandlung des Küstenwaldes in einen nur für Hotelgäste zugänglichen Privatpark.
5. Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Lässt sich über Politik noch etwas verbessen? Wenn ja, wie?
Ich kann nicht erkennen, dass die Lokalpolitik bisher einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Tourismus hatte. Der jetzige Bürgermeister hat sogar die Stadtvertreter dazu aufgerufen, seine eigene Ausschreibung abzulehnen. Da reichen ein Brief des Betriebsrates und mutmaßliche Kosten von 8000 € aus - und schon ist ein Konzept zur Entwicklung des Tourismus gekippt. Ich meine: Frühzeitig Fachleute, Hoteliers und Gewerbetreibende an einen Tisch, und dann die Konzepte auch umsetzen.
6. Das aktuelle Klima in der Stadtvertretung ist bei Sachthemen oft von Konfrontation gekennzeichnet. Kann die Bürgermeistern, der Bürgermeister hier vermitteln? Worin sehen Sie Ihre Rolle?
Aufgaben des Bürgermeisters sind Vorbereitung und Umsetzung von Entscheidungen der Stadtvertreter. Ich werde dabei immer für Bürger ansprechbar sein. Ich werde als Moderator ausgleichend wirken und meine Gestaltungsmöglichkeiten zum Vorteil der Einwohner nutzen. Das ist nicht immer einfach, weil in Diskussionen ideologische, persönliche, und manchmal unverständliche Argumente vorgebracht werden. Die Versachlichung und Transparenz von Entscheidungen sind der Schlüssel zur Zukunft von Bad Doberan.
zuletzt geändert: am 29.08.2011
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